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Von wegen ruhige Kugel schieben – RÜCKER boßelt!

Boßeln

Boßeln ist mehr als mit dem Bollerwagen übers Land ziehen, ab und zu eine Kugel werfen und viel trinken. Es ist DER friesische Nationalsport. Unser Produktionsleiter Heiko Freese kennt sich mit Boßeln bestens aus. Im Interview erklärt er was einen guten Spieler ausmacht und warum Kugelwerfen den Teamgeist stärkt.

Ein norddeutscher Winter wird aus meiner Sicht völlig unterschätzt. Vor Weihnachten zelebrieren wir die GemütlichZeit mit leckerem Raclette und guten Weinen. Und nach Weihnachten geht es raus an die frische, friesische Luft. Denn da wird geboßelt. „Ihr macht was?“ fragen sich jetzt alle Nicht-Ostfriesen. Wir boßeln: In großer Runde ziehen wir über das Land und versuchen eine kleine Holz-, Gummi und/oder Kunststoffkugel mit möglichst wenigen Würfen über eine festgelegte Strecke zu bringen. Und ihn möglichst nicht in den Graben zu bugsieren oder den Kollegen die Füße kaputtzuhauen. Warum wir so etwas machen? Weil Boßeln perfekt ist, um den Teamgeist zu fördern. Und weil es extrem viel Spaß macht.
Teamgeist mit Boßeln
Boßeln als Nationalsportart
„Boßeln ist das Boccia der Ostfriesen“, sagt Heiko Freese. Heiko ist Produktionsleiter in unserer Molkerei in Aurich. Heiko ist schon viel länger Teil der Familienmolkerei Rücker als ich: 1984 war er einer der ersten Mitarbeitenden in der damals ersten ostfriesischen Käserei, die mein verstorbener Schwiegervater Paul Rücker in Aurich gebaut hat. Heiko ist ein RÜCKER Urgestein und das im besten Sinne des Wortes. 

Interview mit RÜCKER Boßelexperte Heiko Freese

Und Heiko ist unser RÜCKER-Boßelexperte Nummer Eins. Mit sieben Jahren hat er das erste Mal eine Kugel geworfen. Für euch habe ich mit Heiko ausführlich über das Boßeln gesprochen. Hier ist mein Interview mit ihm:
Insa Rücker: Heiko, wie definierst du boßeln?
Heiko Freese: Boßeln, das ist nicht einfach mit dem Bollerwagen übers Land ziehen, ab und zu eine Kugel werfen und viel trinken. Das ist DER friesische Nationalsport. Geboßelt wird in unterschiedlichen Varianten auf freien Flächen, auf Feldern, Wiesen, kleineren Nebenstraßen und befestigten Wegen. In Ostfriesland und im Oldenburger Land ist boßeln genauso angesagt wie Fußball, um die 40.000 Menschen spielen im Verein. Früher hatte jedes Dorf einen eigenen Boßelverein, heute trainieren die Boßler in größeren Teams, es gibt eine Kreis- und eine Landesliga, die Lokalzeitungen bringen Boßel-Extraseiten. 
Insa: Ist boßeln ein Ganzjahressport oder gibt es eine Hauptsaison?
Heiko: Traditionell wird in der kalten Jahreszeit geboßelt. Es liegt daran, dass unsere Vorfahren früher nur im Winter Zeit dafür hatten, als Landwirte waren sie den Rest des Jahres von frühmorgens bis spätabends beschäftigt.

Friesen boßeln seit Jahrhunderten

Insa: Woher kommt das Boßeln eigentlich?
Heiko: Der genaue Ursprung ist unklar, es existieren mehrere Geschichten wie das Boßeln entstand. Klar ist nur: Wir hier oben im Norden boßeln schon seit vielen Jahrhunderten. Vermutlich hat es sich bei den Friesen im Mittelalter entwickelt, als sie Wurfgeschosse als Waffe einsetzten. In den 1960ern, 70ern war boßeln eine Männerdomäne und es hatte ein Provinz-Image. Das hat sich Mitte der 80er gewandelt, heute spielen Männer und Frauen gleichberechtigt, die guten Werfer sind in der ganzen Region bekannt, die Vereine sind sehr präsent.
Insa: Für alle Leser, die boßeln gar nicht kennen: Wie läuft ein Boßelspiel ab?
Heiko: Eine Mannschaft hat mindestens vier Werfer. Sie werfen eine bestimmte Strecke ab, meist gut acht Kilometer. Gewinner ist die Mannschaft, die den Zielpunkt mit den wenigsten Würfen erreicht. Die Kugeln heißen Boßel, sie sind aus Gummi oder aus Hartplastik und haben einen Durchmesser von zehn oder zwölf Zentimeter.
Insa: Worauf kommt es beim Boßeln an?
Heiko: Wer gut boßeln will, muss eine Menge beachten. Denn die Technik ist sehr speziell. Zunächst nimmt der Werfer Anlauf, je nach Wurfziel sind es nur wenige Meter bis zu 25 Meter, dabei läuft er erst langsam, dann immer schneller. Den Wurfarm hält er dabei senkrecht und eng am Körper, der ebenfalls sehr gerade bleiben sollte. Kurz vor dem Abwurf wird der Wurfarm zuerst nach vorn, dann nach hinten am Körper entlang weit ausgeholt, wie bei einem Pendel. Zuletzt macht der Spieler einen Doppelschritt, dann wirft er die Kugel mit einer schnellen Bewegung und möglichst viel Kraft in Richtung des angepeilten Zielpunkts.

Kurbeln, Mähen, Steißeln, Flüchten

Insa: Klingt ganz einfach …
Heiko: Theoretisch ja. Wer kegeln kann, der kann auch boßeln. Aber in der Praxis sieht das schon anders aus. Drei Faktoren sind erfolgsentscheidend: Koordination, Technik, Kraft. Ein guter Boßelspieler, der braucht viel Erfahrung. Denn jede Straße, jeder Weg, sieht komplett anders aus. Wölbungen in der Oberfläche, Kurven, Krümmungen, Gefälle, Seitenrillen – das muss der Werfer alles einkalkulieren und die entsprechende Wurftechnik wählen. 
Boßelspieler
Kurbeln, Mähen, Steißeln, Flüchten, das sind nur drei von vielen Techniken für die Würfe. Damit der Werfer die Straße besser einschätzen kann, gibt es in seiner Mannschaft einen Bahnanweiser. Das ist ein Spieler, der dort steht wo die Kugel laufen soll, damit sie die optimale Weite erzielt.
Insa: Jetzt klingt es sehr kompliziert …
Heiko: Ach, letztlich ist boßeln nicht schwer. Mach’ es wie es die Ostfriesen mit allem machen: Leg’ einfach los. Oder vielmehr: „Lüch up un fleu herut!“, das ist der Ruf vor jedem Wurf, Plattdeutsch für „Hebe auf und fliege flach hinaus!“

Europameisterschaften in Nordfriesland

Insa: Was waren deine bisherigen Boßelerfolge?
Heiko: Ein paar Meisterschaften habe ich gewonnen, ein Mal war ich Landesmeister. Aber klar – als ich zwei Mal pro Woche beim Training war, da habe ich Würfe um die 300 Meter geschafft.
Insa: Und heute?
Heiko: Heute spiele ich keine Turniere mehr, sondern trainiere den Nachwuchs. Aktuell bereite ich einen jungen Spieler auf die 17. Boßel-Europameisterschaft vor. Sie findet 2024 im ostfriesischen Esens statt.
Insa: Das ist toll für unsere Region! Wo ist der Sport denn noch so populär wie hier im Norden?
Heiko: Auch in den Niederlanden, in Irland und Italien gibt es das. Aber nirgendwo auf der Welt boßeln so viele Menschen so ernsthaft wie wir Ostfriesen. 

Boßeln begeistert, denn es verbindet

Insa: Aber zum Spaß boßeln wie wir es von der Firma machen, ist auch okay, oder?
Heiko: Klar, nicht jeder, der gern boßelt, gehört zu einer Mannschaft und spielt Turniere. Bei Rücker boßeln wir in diesem Jahr das zweite Mal zusammen. Mit einem gut gefüllten Bollerwagen geht es durch die Gegend rund um Aurich, am Abend gibt es ein großes Grünkohlessen mit einer Spiel-Analyse. 
Insa: Was gefällt dir am Boßeln mit den Kollegen besonders gut?
Heiko: Boßeln ist ein Sport, bei dem es auf den Teamgeist ankommt. Man hilft und motiviert sich gegenseitig, man erlebt gemeinsame Erfolge und Niederlagen, die Jungen lernen von den Alten, die alten Hasen integrieren die neuen Kollegen. So schaffen und stärken wir den Zusammenhalt. Boßeln begeistert, denn es verbindet. Von wegen ruhige Kugel schieben – RÜCKER boßelt!
Rücker boßelt
Insa: Heiko, vielen Dank für das Interview! Lüch up un fleu herut!
Als Teambuilding-Aktion oder als Breitensport – Boßeln begeistert, denn es verbindet. Noch mehr Wissenswertes und Kurioses rund um den ostfriesischen Nationalsport findest du in meinem Ostfriesland-Reiseführer.
Boßeltoursnack
Planst du auch eine Boßeltour mit Familie und Freunden oder mit Kollegen? Hier kommen vier Tipps für raffinierte Snacks, die sich schnell vorbereiten und problemlos im Bollerwagen transportieren lassen:

Snacks-Rezepte für deine Boßeltour

Ein Käse-Schinken-Sandwich, ordentlich belegt mit kräftigem Alt-Mecklenburger, passt als Fingerfood immer. 
Mein Oliven-Kräuter-Brot mit RÜCKER Friesischer Hirtenkäse ist einfach und gelingt garantiert.
Ein idealer Begleiter zu Knabbergebäck ist mein Gemüse-Curry-Dip mit Friesischer Hirtenkäse Der Cremige.
Über Käsewürfel aus Alter Schwede und Alt-Mecklenburger freuen sich große und kleine Boßel-Spieler.
Du bist auf der Suche nach einer schönen Boßel-Strecke in Weser-Ems? Dann schreib mir! Wir können helfen! 

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Insa Rücker

Insa Rücker

Ich bin Insa Rücker, verheiratet und Mutter von drei Kindern. Gemeinsam mit meinem Mann Klaus leite ich die Familienmolkerei Rücker.

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